Liebe Leserschaft und liebe Kundschaft des Ulmer Wochenmarktes,
für die Wochenmarkt-Besucher und Wochenmarkt-Kunden bietet der Ulmer Wochenmarkt ein buntes Bild von verschiedenen Angeboten, die der Mensch hauptsächlich zum Essen braucht. Die Kundschaft findet Wurst und Käse, Eier und Nudeln, Obst und Gemüse, Gewürze und Kräuterpflanzen. Schnittblumen, Pflanzen im Mini-Töpfle, Gemüsepflanzen im Press-Ballen, Container-Pflanzen blühend oder mit besonderer Blattzeichnung, Honig und südländisch Eingelegtes, erlesene Backwaren und Bauernbrot. Noch was vergessen? Kann ja mal passieren.
Aber dieses umfassende Angebot fanden die Ulmer nicht immer so. Auf jeden Fall nicht auf einem zentralen Platz in Ulm. Noch vor 30 Jahren waren der Bauernmarkt, die Metzger und die Eiervermarkter auf dem Ulmer Marktplatz. Das ist zwischen Rathaus und Museum. Die Gärtner standen (meistens) auf dem Münsterplatz. Noch im 19. Jahrhundert war es ausschließlich die Ulmer Gärtnerschaft. Die Gärtner aus dem katholischen Söflingen gehörten nicht dazu. Die Ulmer Gärtnerzunft überlegte sich lange, ob sie die Söflinger Konkurrenz auf den Markt lassen sollte. Auf jeden Fall nur unter einer Bedingung: die Söflinger müssen ihre Spargelstöcke herausreißen. Das Spargelgeschäft wollten sich die Ulmer dann doch nicht versauen lassen. Aber es waren nicht nur die Söflinger, die auf dem Ulmer Münsterplatz ihre Gärtnerware verkaufen wollten, da kamen bald noch die Günzburger, aus dem bayrischen Ausland daher und wollten auch ihre Waren anbieten. Die Räte der Oberamtsstadt Ulm bestimmten: auch die Günzburger dürfen in Ulm verkaufen. Konkurrenz belebt auf jeden Fall das Geschäft. Auch heute noch finden die Marktbesucher einige Günzburger Betriebe und Anbieter aus dem schwäbisch/bayrischen Raum auf dem Münsterplatz.
Aber wie kam die Ware am Mittwoch und Samstag nach Ulm, in der Zeit wo es noch kein Auto gab oder noch viele Jahre später, wo sich die Standler kein Lieferfahrzeug leisten konnten? Ab 1865 war das (fast) gar kein Problem mehr. Der Frühzug aus Günzburg brachte Salat und Rettich. Kraut und Rüben nach Ulm auf den „Bayr. Bahnhof“. Ja, Sie lesen richtig. Ulm hatte einen bayrischen Bahnhof. Aber das ist eine andere Geschichte.
Auf bereitstehende Karren wurden die Körbe am Bahnhof umgeladen und die Ware auf den Marktplatz gebracht. Mittags sollten die Körbe leer sein, sie ließen sich dann gut ineinander stapeln und kosteten weniger Rückfracht. Deshalb konnte damals der Mittagskunde manchen Salat und Rettich, Gurke oder Krautskopf recht günstig zu Ausverkaufspreisen erwerben. Ein Brauch, in dem sich manche Kunden scheinbar noch heute erinnern. Wie die Günzburger und die Leipheimer mit ihrer königlich bayrischen Staatsbahn zufrieden waren ist nicht überliefert. Auf jeden Fall ist nichts Negatives bekannt. Ach ja, es gibt ein Zeugnis von der ersten Fahrt der württembergischen Staatsbahn von Geislingen nach Ulm. Da liest man von unglaublich enthusiastischen glücklichen Bahnfahrern. Das müssen Sie unbedingt gelesen haben:

