Wie schon mehrfach in den Medien berichtet, war von Ende April bis Anfang Mai vor vierzig Jahren die Tschernobyl-Katastrophe. Auch auf dem Ulmer Wochenmarkt hatte damals die Obrigkeit mit mehreren Geiger-Zählern die Radioaktivität am heimischen Gemüse gemessen. Da nun die Informationen über schlimme Sachen immer häufiger über uns hereinbrechen, sollte man nicht auch noch beim Wochenmarkt mit aufgewärmten schlechten Nachrichten von vor 40 Jahren daherkommen.
Gehen wir lieber nochmals 10 oder 20 Jahre zurück und erinnern uns, wie viele Ulmer Wochenmarkt-Gärtner mit anderen Kollegen aus dem Ulmer und Neu-Ulmer Raum jedes Jahr einen Fensterblümles-Markt in der Halle 4 im Donauhallen-Gelände durchgezogen haben. Immer an einem Wochenende Mitte Mai boten die Zierpflanzengärtnereien ihr gesamtes Balkonpflanzen-Sortiment an. Auf dem Münsterplatz und gleichzeitig in der Friedrichsau. Das war damals Stress pur. Die Gärtner warteten in Halle 4 auf dem Messegelände mit selbst gemischter Balkonerde auf, bepflanzten auf Wunsch die mitgebrachten leeren Kästen. Und nach Möglichkeit wurden die Schalen und Kästen den Balkonpflanzenfreunden vor die Haustüre gefahren. Ganz eifrige Gärtner und Helfer hängten die Balkonkästen sogar am Balkongeländer auf. Allerdings gab es auf dem Fensterblümles-Markt keine Gemüsepflanzen. Da hat sich bis heute doch vieles geändert und die Pflanzenzüchter haben die letzten 40 Jahre eine beachtliche Auslese von Topf-Fruchtgemüse für Balkon und Terrasse herangezüchtet.
Wenden wir uns jetzt aber dem aktuellen Marktgeschehen zu. Die Wochenmarktstände sind jetzt im Mai vollgebeigt mit Frühlingsware. Seit Ende April kommen die ersten deutschen Kohlrabi auf den Markt. Das deutsche, bzw. regionale Salatangebot ist ausreichend. Natürlich noch aus Anbau unter Folie und aus den Gewächshäusern.
Und – der Mai ist der wichtigste Erntemonat vom deutschen Spargel. Keine andere Verkaufseinrichtung kann den Bleich- und den Grünspargel in so einer Vielfältigkeit anbieten, wie die Wochenmärkte.
Der Mai ist aber auch noch der wichtigste Monat für unseren heimischen Rhabarber. Aber – dieser gesunde Obst / Gemüse-Artikel fällt durch nachlassende Erntemengen auf. Ist der Rhabarber ein Klimageschädigter, weil ihm die winterlichen Frost-Tage fehlen, die er zum gesunden Wachstum braucht oder macht ihm die Schilf-Glasflügelzikade zu schaffen, die das Wurzelsystem befällt und die Pflanzen absterben lassen? Herrschaft sechse! Jetzt muss der Schreiber des Wortes zum Monat aber arg aufpassen. Wieder eine Hiobsbotschaft. Schon bei den alten Griechen wurden die Überbringer von schlechten Nachrichten geköpft.
Sicher kann, wie im vorigen Jahr, wieder ab Mitte Mai ausreichend deutscher Blumenkohl angeboten werden. Traditionell werden vor allem im Frankenland schon viele Rispen- und Cocktail-Tomaten geerntet. Auch bei deutschen Gurken kann der Wochenmarktkunde aus dem Vollen schöpfen.
