Die gefürchteten Regentage beim Donaufest  sind dieses Jahr ausgeblieben. Das Schwörwochenende blieb trocken.

Trotzdem – bisher waren bei diesem extremen Sommersonnenwetter die Schnecken die eindeutigen Verlierer. Die langsamen Kriecher sind der Schrecken aller Kleingärtner, Vorgartenbesitzer, der Betreiber von Erdbeerplantagen oder Salatfeldern. Und dieses Jahr – überhaupt kein Wohlfühlwetter für die span. Wegschnecken, für Laubschnecken, für Ackerschnecken oder die Gehäuseschnecken.

Manchmal haben die Marktleute ein paar Nacktschnecken als Beigabe zum Salat im Angebot. Bei den entsprechenden Reklamationen bietet es den Standlern Anlass, die Schneckenbeigabe zu bedauern. Manche empfindliche Kundin hat auch schon mal den ganzen Salatkopf wegen einer Schnecke weggeschmissen. Muss man natürlich nicht, denn Schnecken sind in der Regel nicht giftig.

Und da gibt es eine kleine Schneckengeschichte, die unbedingt erzählt werden muss:
„Opa“ fragte die 8 jährige Enkeltochter Mia ihren Ulmer Gärtner-Großvater Bruno, „kann man Schnecken essen?“ Der Großvater: „Ja, es gibt Schnecken, die kann man essen.“ „Igitt – igitt, das ist ja ekelig! Hast du schon einmal Schnecken gegessen?“ Der Opa Bruno erinnert sich: „Ja, das war bei unserer Abschlusslehrfahrt auf der Meisterschule. Da waren wir im Elsass. Und die Gärtnervereinigung von Straßburg hatte uns schwäbische Gärtner-Meisteranwärter in ein feines Lokal eingeladen. Da hat der Tischnachbar deinem Opa, der damals ja noch ein junger Kerle war, das Schnecken-Essen beigebracht.“ „Igitt -igitt“ meinte da die Mia nur.

„So“, sagte da der Opa Bruno, „liebe Mia, ich erzähle dir jetzt eine fantastische Schneckengeschichte aus Ulm“: „Mia, du weißt ja, die Ulmer sind stolz wie ein verschissener Hennenstecken auf ihre Stadt. Das erzählst du aber bitte so nicht deinen Eltern weiter, sonst schimpfen die dann deinen Ulmer Opa, wenn er dir solche Gassenausdrücke beibringt und er darf dir dann niemals mehr eine seiner fantastischen Geschichten erzählen.“

„Also – die Ulmer sind sehr stolz auf ihre Stadt und, du wirst es nicht glauben, im 18. und 19. Jahrhundert war Ulm ein Zentrum des Handels mit Deckelschnecken. Da ging auf der Donau die Schneckenpost ab. Auf einem historischen Bestellzettel kann man nachlesen, dass der Händler Lukas Knupfer 1888 60.000 Schnecken nach Krems, 10.000 Schnecken nach München und 5.000 Schnecken nach Regensburg geschickt hat. Ganze Ladungen gingen mit den Ulmer Schachteln nach Wien. Immer so circa 10.000 Schnecken in einem Fass. Sie wurden sogar auf dem Petersplatz verkauft. Nein – nicht auf dem Petersplatz in Rom, sondern auf dem Petersplatz von Wien. Und die Schneckenhändlerinnen hatten sogar einen Spitznamen, das waren die Wiener Schneckenweiber. 

Wie wichtig dieser Schneckenhandel, der bis ins 19. Jahrhundert reichte, für die Region war, zeigt sich auch z.B. im Stadtbild von Ulm. An barocken Haustürrahmen ehemaliger Stadthäuser, die den Schiffsmeistern gehörten, zeigt sich als Schnitzwerk ein Schiff mit gekreuzten Rudern, drei Fischen und zwei großen Weinbergschnecken.

Liebe Mia, ich glaube, dass ich noch irgendwo ein Inserat eines Ulmer Fischgeschäftes finde, wo Schnecken angeboten wurden. Also nichts mit igitt, igitt und so. Das ist eklig. Sondern die Weinberg – Schnecken trugen mit dazu bei, dass die Ulmer nach dem Dreißigjährigen Krieg wieder etwas zu Wohlstand gekommen sind. Man nannte die Weinbergschnecken damals – schwäbische Austern.“

Soweit die Ulmer Schneckenstory über die Schwäbische Austern.