Liebe Leserschaft –


Die  Wochenmarkt-Kundin war erstaunt, als bei einem Schwätzle  das Gespräch auf das Versuchswesen im Gartenbau kam. Was? Versuchswesen? Forschung und Lehre in „höheren Graden“ in der Landwirtschaft und im Gartenbau?


Die älteste Gartenbauschule in Deutschland ist in  Stgt.-Hohenheim. Der Herzog Carl Eugen, (wegen dieses hohen Herrn flüchtete der junge Friedrich Schiller nach Mannheim) hatte 1780 um sein Schloss Hohenheim herum Teile seines Landgutes als Gartenbauschule einrichten lassen. Auch eine Obstbaumschule gehörte dazu. Die Keimzelle unserer Obstbaumwiesen. Aber das ist ein anderes Thema. Fest steht, dass auch heute noch, im und um das Schloss Hohenheim herum, fleißig geforscht, ausgelesen, gelehrt und Versuche gemacht werden. Mittlerweile nicht nur für die Landwirtschaft und den Gartenbau. In Hohenheim kann man auch Wirtschaftswissenschaften und verwandte Studienfächer besuchen. Über 160 Dozenten sind täglich bemüht, geballtes Wissen an die junge Frau oder an den jungen Mann zu bringen. Der „Hohenheimer“ kann eine einzigartige Karriere durchlaufen, vom Auszubildenden über den Meister, den Diplomgärtner und Ingenieur bis zum gartenbaulichen Forscher und Dozenten.


Die Fachsparten der Gartenbau-Verbände, aber auch einzelne Gartenbaubetriebe arbeiten z. B. eng mit dem Versuchswesen in Hohenheim zusammen, geben Handreichungen für die Ausbildung und stehen auch sonst im regen Austausch mit der Staatsschule in Hohenheim.

Die Ergebnisse dieser Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis sind auch auf dem Wochenmarkt zu sehen. Nur – merkt man diese nicht sofort. Es ist selbstverständlich geworden, dass der März-Kopfsalat, Hochsommer-Kopfsalat und auch der November-Kopfsalat in gleicher Qualität und Kopfgröße angeboten werden kann. Sowas war zu meiner  Omas Zeit noch nicht so. Da waren die  Frühjahrssalätle  klein, die Oktobersalate  mehltauig. Überhaupt – meine Oma würde die Welt nicht mehr verstehen: Eichblattsalat? Romana-Salat? Paprika-Sorten für den Balkon? Und dann noch  Asia-Salate?


Aber genug gelehrmeistert. Starten Sie, lieber Wochenmarkt-Kunde, Ihr eigenes „Versuchswesen“ auf dem Ulmer Wochenmarkt. Zwar tut man sich Anfang Mai mit einheimischem Fruchtgemüse etwas schwer, aber die ganze Vielfalt von Rettich und Radies und von frischem Blattgemüse wie Mangold und Spinat, können Ihnen die Gärtner jetzt schon anbieten. Und ab Mitte Mai könnten sie schon da sein, die ersten Vespergurken aus dem Umland. Auf jeden Fall liefert die Reichenau oder das Gärtnerland um Nürnberg herum schon seit einigen Wochen.